Spiel für Sonnenanbeter

Gymnasiasten in Groitzsch  beobachten das Himmelsereignis: Ob Jung oder Alt - die Faszination ist überall groß.

Von Claudia Carell und Inge Engelhardt
Groitzsch  Schon gegen viertel zehn wanderte gestern der Blick vieler Schüler zur Sonne. Nur kurz, das Licht war zu stechend. "Die ist noch voll da!", meinte ein Junge und blickte ein bisschen neidisch auf seinen Mitschüler, der eine der wenigen Schutzbrillen hatte und lange nach oben schauen konnte. "Wollen wir die Brille nicht durchschneiden?", schlug er vor. "Nee", war die klare Antwort. Sonnenfinsternis spielte gestern im Groitzscher Gymnasium eine große Rolle - auf Dach und Schulhof.
Astronomie-Lehrer Frank Künzelmann hatte auf der Sternwarten-Terrasse ein großes Fernrohr mit Grünfilter aufgebaut. Er freute sich riesig über das herrliche Wetter, kaum eine Wolke am Himmel. Zum ersten Mal sei es nun möglich, dass Schüler hier eine Sonnenfinsternis beobachten können. Bei den vergangenen Ereignissen dieser Art waren entweder Ferien oder der Himmel bewölkt. Aufs Dach durften die älteren Schüler, die bereits mit Astronomie im Unterricht in Berührung kommen, aber auch einige Jüngere der Astro-Arbeitsgemeinschaft.
"Seht ihr schon was?" fragte Frank Künzelmann die beiden Fünftklässler Lea Rockstroh und Jessica Rumsdorf. "Ja, eine Ecke ist schon weg", sagte Lea. Die Mädchen schauten sowohl durchs Fernrohr, wo die Sonne grün glänzte und Stück für Stück vom schwarzen Mond verdeckt wurde. Auch mit den Brillen versuchten sie es und sahen so das Schauspiel ohne Farbe. Seit diesem Schuljahr sind sie in der AG. "Weil's ganz interessant ist", meinte Jessica.
Klasse für Klasse kam aufs Dach, Schüler für Schüler blickte ins Fernrohr. Bemerkungen wie "toll", "cool" oder "naja" fielen. Richtig spannend fand es Hendric Große. Nachdem er sein Abitur 2011 im Wiprecht-Gymnasium absolvierte, zieht es ihn regelmäßig hierher zurück. Der Grund ist die Sternwarte und sein früherer Lehrer Künzelmann. "Nach oben geguckt habe ich schon vorher gern, aber unsere Astronomie-AG war richtig gut", sagte der 22-Jährige, der in Mittweida Mechatronik studiert.
Auf dem Hof unten hatte sich inzwischen eine lange Schlange mit Jugendlichen gebildet. Physiklehrer Jens Hunger stellte immer wieder das Fernrohr neu ein, damit die Schüler die Sonne genau im Visier hatten. Hier gab es einen Rotfilter, so dass das Gestirn knallrot zu sehen war, der Mondschatten wuchs zusehends. Mehr als 70 Prozent verdeckte er am Ende.
Damit es nicht so langweilig war, in der Schlange anzustehen, wurden einige Spezialbrillen mal hier, mal da verteilt. Zudem gab es ein Projektionsteleskop, wo mit einfachen Mitteln das Spektakel angesehen werden konnte.
Für Justin Rapp hatte sich das Anstehen gelohnt. "Ich hab' heute zum ersten Mal eine Sonnenfinsternis gesehen, ist ziemlich cool, so was gibt's ja nicht jeden Tag", so der Zwölfjährige nach seinem Blick ins Fernrohr. In der Tat: Die nächste Chance auf Sonnenfinsternis gibt es erst wieder im August 2026. Die kleinen Gymnasiasten jener Zeit werden demnächst geboren.

Schüler beobachten am Gymnasium in Groitzsch mit Spezialbrillen und durch Fernrohre (Justin Rapp, 12) die partielle Sonnenfinsternis. Foto: Andreas Döring   LVZ, 21. März 2015

Letzte Aktualisierung: am 25.03.2015 - 19:03 Uhr durch Karla Korb