Fußballfieber mit Hintergedanken

Groitzscher Wiprechtgymnasium trägt kleine Fußball-Weltmeisterschaft aus / Täglich Spiele in der Hofpause / Klassen beschäftigen sich mit ihren Patenländern

Von peter krischunas
Groitzsch. "Gol rufen die Portugiesen, wenn ein Tor fällt", sagt Melody Landmann aus der 7a. Als ihre Klasse gegen die 6b (Nigeria) spielt, kann sie ganze dreimal "Gol" rufen. 3:0 gewinnen die Älteren gegen die Jüngeren. Die Partie dauerte zweimal sechs Minuten und fand im Rahmen der kleinen Fußball-WM des Groitzscher Wiprechtgymnasiums statt. Alle Schulklassen spielen seit Anfang Juni um den Pott, täglich in ihrer Hofpause, insgesamt vier Wochen lang. Zeit, in der sich die Kinder und Jugendlichen auch mit der Kultur und Politik ihrer Patenländer auseinandersetzen, wie Schulleiterin Irina Salewski erklärte.
Mittagspause: Eine Viertelstunde vor Anpfiff sind Alida Paulusma und Emma Zimmermann von der 6b mit dem Bemalen der Gesichter ihrer Mitschüler beschäftigt. Grün-Weiß-Grün, die Flagge von Nigeria, das Land, das ihre Schulklasse während der Mini-WM vertritt. Gleich ist Anpfiff auf dem Bolzplatz auf dem Schulhof. Es geht um alles - gegen Portugal in der Gruppe B. Dass sie am Ende deutlich verlieren, sehen die Mädchen nicht ganz so dramatisch. "Wichtig ist auch, dass wir uns mit der Kultur und Politik von Nigeria auseinandersetzen", meint Alida aus Elstertrebnitz.
Dagegen sind Valentine Schmidt aus Groitzsch und Melody Landmann aus Bennewitz von der 7a happy. 3:0, das ist mal ein Ergebnis. Beide finden die Aktion spannend und abwechslungsreich. "Außerdem ist sie gut für das Teamwork unter uns Schülern", so Melody.
Genau das ist das Ziel der vierwöchigen Veranstaltung, wie Roland Badstübner, Schulsozialpädagoge am Gymnasium und Initiator der Meisterschaft, erklärt. Selbstverantwortung und Teamwork sind wichtige Inhalte seiner Arbeit. Außerdem können die Schüler während der Spiele Stände betreiben, an denen sie landestypische Speisen oder Getränke verkaufen. Die Erlöse fließen in soziale Projekte wie die Jugendarbeit in Bangladesh. Dort hatte sich Badstübner vor einem Jahr selbst ein Bild gemacht. "Wir können dort diejenigen unterstützen, die sonst keine andere Chance haben", so der Sozialpädagoge, dessen Träger die Diakonie Leipziger Land ist.
Schulleiterin Irina Salewski hält große Stücke auf Badstübners Meisterschaft. Es ist eine gelungene Einstimmung auf die Fußball-WM in Brasilien, wo Europäer in Südamerika auf Afrika treffen. Doch die Schüler sollen sich laut Salewski auch mit der Frage auseinandersetzen, ob es eine WM der Brasilianer ist und ob sich Brasilien diese Spiele überhaupt leisten kann. "Ich würde mir auch nachdenkliche und kritische Stimmen zu diesem Spektakel, zu den immensen Kosten und Gewinnen einerseits und der Armut, Gewalt und der schlechten Infrastruktur andererseits wünschen", so die Schulleiterin über ihre Hintergedanken.
Teamgeist, Bewegung und nicht zuletzt Wissen über die Teilnehmerländer sind in Groitzsch gefragt. Nicht die deutsche Mannschaft steht im Vordergrund, auch nicht der Medienrummel, der Geschäfts- und Werberummel mit der WM.
Die Klassen wetteifern nicht nur um sportliche Erfolge, sondern auch um das beste Outfit und das Rahmenprogramm. Sie stellen ihr Land vor und bieten Köstlichkeiten aus der Heimat der Fußballpaten an. "An jedem Tag wächst das Interesse der Mitschüler", so Irina Salewski weiter. Die Jugendlichen übernehmen zudem Verantwortung als Schiedsrichter und Jury für den Wettbewerb. Robert Klemm (5c) und Karlotta Gehrt (6a) bilden die besagte Jury. "Wir müssen festgelegte Kriterien wie die Stimmung während des Spiels und das kulturelle Engagement der Klassen befolgen", so Robert. Gut kommen immer die Verkaufsstände an, die manche Klassen auf die Beine stellen.

Auch die Klasse 6c (Kamerun), die im Anschluss gegen die 7b (Iran) aufs Feld musste,

kreierte Plakate und Transparente zum Thema.

 

Letzte Aktualisierung: am 19.06.2014 - 10:43 Uhr durch Karla Korb