Keine Zeit zum Ausruhen

Sozialpädagoge Sebastian Caspar (36) arbeitet am Groitzscher Wiprecht-Gymnasium

Groitzsch. Seit wenigen Wochen arbeitet der 36-jährige Diplom-Sozialpädagoge Sebastian Caspar als Schulsozialarbeiter am Wiprecht-Gymnasium in Groitzsch. In Einzelgesprächen mit den Jugendlichen und ihren Eltern kümmert sich der Leipziger um deren Probleme - vom Schulwechsel über Mobbing bis hin zu Essstörungen.

"Ich finde es wichtig, dass an der Schule meiner Tochter ein Sozialarbeiter tätig ist", meint Andrea Lange. Ihre Tochter Evi geht in die sechste Klasse des Groitzscher Wiprecht-Gymnasiums. Vor sieben, acht Jahren wäre diese Aussage noch undenkbar gewesen. "Damals waren wir Schulsozialarbeiter eher ein Zeichen dafür, dass an der Einrichtung etwas nicht stimmt", erklärt Sebastian Caspar, der "Neue" am Gymnasium. "Heute ist das Gegenteil der Fall. Eine Schule mit Sozialarbeiter ist eine gute Schule, weil sie zeigt, dass man auf die Probleme der Jugendlichen eingeht", so der Diplom-Sozialpädagoge aus Leipzig, der im Schulalltag eng mit der Vertrauenslehrerin Iris Schramm zusammenarbeitet. Zuvor war er zwei Jahre lang in der Deutschen Schule in Shanghai tätig.
Andrea Lange, die übrigens eine von zwei Tagesmuttis in der Stadt ist, hat von ihrer Tochter bislang nur Gutes über Sebastian Caspar gehört. "Vor allem seine präventiven Maßnahmen gegen Mobbing finde ich sehr wichtig in der heutigen Zeit. Damit haben bekanntlich alle Schulen zu kämpfen", so Lange.
Sein Fokus liege auf der Sucht- und Gewaltprävention, der Einzelfallhilfe und dem Handlungsfeld des Mobbings. In den Sommerferien hatte der Sozialpädagoge indes keine Zeit zum Ausruhen, blieb für die Jugendlichen und ihre Eltern für Einzelgespräche weiterhin erreichbar. Die Probleme sind laut dem 36-Jährigen höchst unterschiedlich: ein angedachter Wechsel des Sprösslings an die Mittelschule, weil sein Leistungsvermögen nicht ausreicht, Mobbingfälle, Schulverweigerung und in einem Fall ging es sogar um Essstörung. "Die Einzelfallhilfe macht den Großteil meiner Arbeit aus", erklärt Caspar.
Der junge Mann aus Leipzig hat einen langen Weg zurückgelegt, bevor er im Frühjahr dieses Jahres ins kleine, beschauliche Groitzsch kam. Zuvor arbeitete er ein dreiviertel Jahr in Weißenfels an der Förderschule des Burgenlandkreises. Davor war er zwei Jahre in Shanghai an der Deutschen Schule angestellt, in der 2000 Schüler unterrichtet werden. "Dort lernte ich den Idealfall kennen, was bei genügend finanziellen Mitteln alles möglich ist", erzählt Caspar. Immerhin legen die gut betuchten Eltern für ihre Sprösslinge mehrere Tausend Euro für ein halbes Schuljahr auf den Tisch. Nur so sei es in der Deutschen Schule in Shanghai möglich, ein Team von sieben Schulsozialarbeitern zu beschäftigen. An die 100 Arbeitsgemeinschaften werden dort zusätzlich angeboten.
Mit der Arbeit im Groitzscher Gymnasium ist das zwar nicht vergleichbar, aber auch hier findet er gute Voraussetzungen. Träger der Stelle des Schulsozialarbeiters ist die Sächsische LehmbauGruppe in Leipzig.

 

 

 

Sebastian Caspar ist der neue Schulsozialarbeiter am Groitzscher Wiprecht-Gymnasium. In den Sommerferien führte der Diplom-Sozialpädagoge aus Leipzig Einzelgespräche mit Eltern und Schülern. Vorher arbeitete er an einer Förderschule in Weißenfels und an der Deutschen Schule in Shanghai.

Foto: Peter Krischunas

LVZ, 12.09.2013

Letzte Aktualisierung: am 14.09.2013 - 13:35 Uhr durch Karla Korb