Singendes Kleingeflügel rettet Kaiser



Groitzscher Gymnasiasten laden zur Premiere des Musicals "Die chinesische Nachtigall" und ernten großen Applaus

Von Hartmut Karich

Groitzsch. Über ein Jahr hatten sie geprobt, am Mittwochabend zur Premiere gab es den verdienten Applaus: Nachwuchs-Chor und Line-Dance-Gruppe des Groitzscher Wiprecht-Gymnasiums zeigten auf der kleinen Bühne im Foyer das Musical "Die chinesische Nachtigall".



Alle Stühle waren besetzt, und so schauten und lauschten fast 200 Augenpaare erwartungsvoll, was Musical-Autor Andreas Schmittberger aus dem Märchen von Hans Christian Andersen gezaubert hat und wie die knapp 30 jungen Akteure die Ideen des Musikpädagogen umsetzen würden. Sie taten dies mit viel Herzblut und ein wenig Lampenfieber, mit großer Freude am Spiel und mit Humor, mit schauspielerischem Geschick und bemerkenswerten gesanglichen Qualitäten.

Entsprechend glücklich und gelöst schickte Chorleiterin Kerstin Scholz nach der rhythmisch erklatschten Zugabe Worte des Dankes in viele Richtungen und verteilte Blumensträuße, doch das größte Dankeschön des Abends gebührte ihr. Die Musik- und Deutschlehrerin betreut mit der "Nachtigall" nach "Traumzauberbaum" und zwei "Zeitmaschine"-Teilen nun bereits das vierte Musical und brachte es gemeinsam mit Jugendlichen der fünften bis achten Klasse auf die Bühne.

Die Line-Dance-Gruppe des Gymnasiums sorgte nicht nur für eine flotte Tanz-Einlage, sondern mischte sich auch schauspielernd unter die Statisten. Betreut wird sie von Physik- und Mathelehrerin Angelika Müller. Deren Kollege Riccardo Eichler hatte die Technik im Griff und bedankte sich seinerseits bei den Elftklässlern Tomas Katilius und Cedric Penndorf, die ihn unterstützten. Für großes Vergnügen im Publikum sorgte immer wieder der Umstand, dass sich Komponist Schmittberger zwar an das Korsett des Märchens hielt, doch die Geschichte an vielen Stellen mit humorvollen Bezügen und Bemerkungen ins Heute holte.

Da trägt sich zumindest eine der unzufriedenen Arbeiterinnen am Kaiserpalast mit Streikgedanken ("Erst gestern habe ich hier jeden einzelnen Grashalm der aufgehenden Sonne entgegengekämmt."), und aus Empörung über das Einsperren der Nachtigall wird eine "Volksfront zur Befreiung singenden Kleingeflügels" ins Leben gerufen.



Die tragende Botschaft aber bleibt erhalten. Die wunderschön singende Nachtigall (Laura Haiger) wird vom Kaiser von China (Laura Kallies) im Palast gefangen gehalten, bis der japanische Kaiser (Katharina Zeutschel) als Gastgeschenk eine künstliche Nachtigall mitbringt, und der echte Vogel das Reich traurig verlässt ("Lieber hör'n sie der Maschine zu."). Als der Kunstvogel kaputtgeht ("einen Tag nach Ablauf der Garantie") und der Kaiser darob schwer erkrankt, rettet ihn die zurückkehrende Nachtigall mit ihrem Gesang vor dem Tod.

Es war ein Abend der Lauras, denn einen Blumenstrauß gab es am Ende auch für Geburtstagskind Laura Beyerlein, einen der Minister am kaiserlichen Hof. Vor allem aber war es ein Abend der Kreativität, der die gelungene Premiere eines Musicals hervorbrachte. Am gestrigen Vormittag gab es zwei weitere Aufführungen, als Grundschüler aus Zwenkau und Groitzsch im Gymnasium zu Gast waren.

LVZ vom 07.11.2011

Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 21:25 Uhr durch