Der Namenspatron in Sandstein

Wiprecht-Gymnasiasten arbeiten in Bildhauer-AG mit Meister-Hilfe an Statue des Markgrafen

Groitzsch. Erst als Modell aus Styropor, dann mit einer Gipshaut ummantelt und schließlich aus Stein gemeißelt. In der Werkstatt von Steinmetzmeister Gerd Schellenberger in Groitzsch entsteht derzeit eine lebensgroße Statue des Markgrafen Wiprecht von Groitzsch.

Von Hartmut Karich

Der Sohn des Firmenchefs, Steinmetz- und Steinbildhauermeister Danny Schellenberger, betreut seit anderthalb Jahren Schüler des Wiprecht-Gymnasiums in einer Bildhauer-AG. Die Krönung ihrer Arbeit soll jene steinerne Nachbildung des Namenspatrons werden, die ihren Platz am Gymnasium finden wird.

"Bestimmt ein schönes Gefühl, wenn du irgendwann an der Schule vor der Statue stehst und weißt, du hast damals daran mitgearbeitet", denkt Lukas Finzel schon ein wenig voraus. Er will in Dresden Biochemie studieren. Im Moment hat er feuchten Gips an den Händen und trägt ihn gemeinsam mit Gina Steszewski an einem Elefanten-Modell auf. "Auch eine Übung für das große Ziel Wiprecht."



Seit September 2009 haben die damals sieben und heute noch fünf Jugendlichen eine Menge gelernt bei Danny Schellenberger. "Sie haben mit verschiedenen Materialien gearbeitet, mit Gasbeton, Gips, Ton und Stein." Pflanzschalen, Reliefs, Tiere und Abgüsse verschiedener Formen sind entstanden; im Hof liegen steinerne Objekte, die auf ihre Fertigstellung im Frühjahr warten - eine Eule, eine Schildkröte, eine Echse, ein Herz.

Dort im Hof steht schon der 1,6 Tonnen schwere Cottaer Sandstein, aus dem Markgraf Wiprecht entstehen soll. Er wurde von der Groitzscher Physiotherapeutin Silvia Schatzl gesponsert. Danny Schellenberger hat den Koloss in einem Steinbruch bei Pirna selber ausgesucht, den Transport übernahm die Droßkauer Speditionsfirma von Harald Stäudte.

Seit geraumer Zeit laufen neben den praktischen Übungen in der AG die Vorbereitungen für das Großprojekt. Man beschäftigte sich mit der historischen Figur des streitbaren Grafen, diskutierte und entwarf Skizzen und Zeichnungen. Dabei waren Früchteschale und Bierkrug in der Hand wohl nicht so ernst gemeint, doch mit Helm oder ohne, mit Schwert oder Schild, mit einem sichtbaren Bezug zur Schule oder nicht - das ist noch nicht entschieden.

"Die Tendenz geht zum Helm", sagt Danny Schellenberger. Und momentan stützt sich Wiprecht auf ein Schwert, "doch das kann auch noch ein Schild werden". Zurzeit wird nach einer kleinen Tonmodell-Vorlage die Statuenform aus einem Styropor-Block herausgearbeitet und darauf später eine Gipsschicht aufgetragen. Ist das Modell schließlich fertig, hat Petrus ein gewichtiges Wort mitzureden, denn das Meißeln am Stein geschieht auf dem Hof, und dazu muss es wärmer werden.

Bei den groben Steinarbeiten an Sockel und Statue können auch die Jugendlichen mit Hand anlegen, der Feinschliff bleibt allerdings dem Meister vorbehalten. Dass die Schule bald ein ganz besonderes Wahrzeichen hat, ist auch der Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig zu verdanken, denn diese fördert das Projekt mit 4000 Euro. Ob die Statue bis zur im Mai geplanten Einweihung des Gymnasiums-Anbaus fertig wird, kann Danny Schellenberger derzeit nicht versprechen. "Auf jeden Fall aber wird der steinerne Wiprecht zum Beginn des neuen Schuljahres die Schüler begrüßen."

LVZ vom 31.01.2011

Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 21:37 Uhr durch