Die Macht der guten Allgemeinbildung

Ministerpräsident Stanislaw Tillich besucht die Grundschule und das Gymnasium in Groitzsch

Von kathrin haase Groitzsch.
Stanislaw TillichFür ein paar Stunden setzte sich der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gestern noch einmal auf die Schulbank. Während seiner Reise durch den Landkreis besuchte das Landesoberhaupt die Grundschule und das Wiprecht-Gymnasium in Groitzsch und fühlte sich dabei an seine eigene Schulzeit erinnert. Tillich ist ein ausgesprochener Freund der guten Allgemeinbildung. Seiner Meinung nach schade es nicht, wenn ein hochangesehener Biotechnologe oder Computerspezialist schon einmal etwas von der „Sixtinischen Madonna“ gehört hat. „Man weiß in der Schule nie genau, was mal aus einem wird“, gab das Landesoberhaupt den Zwölftklässlern am Groitzscher Wiprecht-Gymnasium gestern mit auf den Weg. Lebensziele verändern sich, neue Interessen kommen hinzu, Technik und Wissenschaft entwickeln sich rasant weiter. In jedem Fall sei aber eine gute Allgemeinbildung das Fundament für den späteren Berufsweg.Begrüßung von Ministerpräsident Tillich am Wiprecht-Gymnasium Groitzsch„Studieren Sie bitte nicht das, was gut klingt, sondern wofür Sie sich wirklich interessieren.“ Und so fragte Tillich seine jungen Gesprächspartner nach deren Berufs- beziehungsweise Studienwünschen und freute sich über die bunte Mischung – von Wirtschafts- und Ingenieurswesen über Maschinenbau, Soziologie, Psychologie, Sportevent-Management, Musik und Germanistik sowie Biotechnologie. „Das sächsische Abitur genießt eine sehr hohe Wertschätzung und gilt an deutschen Hochschulen unwahrscheinlich viel“, ermunterte er die Gymnasiasten, ihren Weg konsequent weiterzuverfolgen. Die Frage nach einem zentralen Abitur in Deutschland sehe er jedoch zwiespältig. Zum einen könne damit ein direkter Vergleich unter den Schulen und Bundesländern angestellt werden, was Tillich sehr befürwortet, zum anderen sehe er jedoch Schwierigkeiten bei der praktischen Anpassung. Es gebe eine Studie, sagte Tillich gestern, wonach ein sächsischer Mittelschulabschluss etwa gleichbedeutend mit einem Brandenburger Abitur wäre.GesprächsrundeEr selber habe von 1965 bis 1977 die Schulbank gedrückt, einige Jahre davon in einem sorbisch sprachigen Gymnasium. „Ich habe die Vor- und Nachteile des Internatslebens kennengelernt“, erzählte er den Zwölftklässlern, „wobei die Vorteile überwiegen.“ Mathe und Sprachen waren seine Lieblingsfächer, „wenngleich ich in Mathe nicht besonders gut war. Aber ich habe es gerne gemacht.“ Nach der Armee studierte Tillich Maschinenbau, arbeitete jedoch nie in diesem Beruf, und schlug später die politische Laufbahn, unter anderem in Brüssel, ein. „Man kann im Leben nicht nur auf eine Säule setzen“, wurde er nicht müde zu sagen, „die breite Allgemeinbildung ist das beste Fundament.“ Vor dieser Fragestunde im Wiprecht-Gymnasium besuchte der Ministerpräsident am Vormittag die Grundschule in der Südstraße.Ministerpräsident Tillich am Wiprecht-Gymnasium GroitzschVor 20 Jahren war das heutige moderne Gebäude noch eine verfallene Villa, die erst durch eine Komplettrenovierung nutzbar wurde. Die beiden Viertklässlerinnen Emily Krain und Anika Burczik führten das Landesoberhaupt – und mit ihm auch Landrat Gerhard Gey, Landesdirektionspräsident Walter Christian Steinbach sowie Bürgermeister Maik Kunze (alle CDU) – durch das Gebäude und zeigten ihm Musikzimmer, Mehrzweckraum, Werkenraum, PC-Raum und die Bibliothek. „Klar sind wir aufgeregt“, sagten die beiden Mädchen vor ihrem großen Auftritt. „Aber wir haben unseren Schulleiter Herrn Jauer schon mal zur Probe durch die Schule geführt“, erzählt Emily, die sich krampfhaft an einen vorbereiteten Zettel hielt. „Damit wir uns nicht verplappern“, gestand die Zehnjährige, die später einmal Kindergärtnerin werden möchte. Anika Burczik schreibt dagegen gerne Geschichten und möchte als Erwachsene unter die Autoren gehen. 231 Mädchen und Jungen in elf Klassen lernen gegenwärtig an der Grundschule in Groitzsch. An das Richtfest für den Grundschulanbau im vergangenen Jahr kann sich Christian Jauer noch gut erinnern: „Das war ein Volksfest.“ Und Bürgermeister Kunze ergänzte: „Für uns war der Tag gleich doppelt bedeutsam, denn wir haben gleichzeitig den ersten Spatenstich für unser Gymnasium vollzogen.“

aus der LVZ vom 17.04.2010

Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 18:54 Uhr durch