Ausstellung über Vertreibung bewegt tief

Groitzscher Gymnasiasten und Lehrer besuchen Partnerschule im polnischen Cieszkow

Groitzsch. Drei Neuntklässlerinnen, der Schulleiter und eine Lehrerin des Groitzscher Wiprecht-Gymnasiums besuchten kürzlich für vier Tage das Publiczne Gymnasium Cieszkow nördlich von Militsch – im Rahmen der partnerschaftlichen Beziehungen mit dieser Einrichtung in Polen.Anlass war eine Ausstellung zum Thema „Flucht, Vertreibung, Neuanfang“ im Partnergymnasium. Diese beschäftigt sich anhand von Fotos und Erinnerungsberichten mit Familienschicksalen ehemaliger deutscher Bewohner des Bartsch-Tals in Nordschlesien während und nach dem zweiten Weltkrieg. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von der Heimatkreisgemeinschaft Militsch-Drachenberg und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit. „Uns wurde verdeutlicht, dass die Erinnerungen an diese Zeit wach gehalten werden“, so Schulleiter Stefan Treuger. „Außerdem erfuhren wir, dass die jetzigen Bewohner dieses Gebietes aus ihrer ehemaligen Heimat in Ostpolen ebenfalls zwangsweise umgesiedelt wurden. Besonders erschüttert waren wir, zu sehen, unter welchen fürchterlichen Umständen die Flucht der deutschen Bevölkerung im Januar 1945 erfolgte.“

Die Groitzscher besuchten während ihres Aufenthaltes auch das Kachelwerk im Nachbarort Zduny – das älteste in Polen. Dort werden vorwiegend Ofenkacheln produziert. Anschließend stand eine zehn Kilometer lange Kanufahrt auf dem Fluss Bartsch auf dem Programm. Zudem unternahmen sie eine Exkursion nach Breslau, besichtigten mehrere Klöster und die Burg Fürstenstein. Treuger: „Beeindruckend war auch diesmal wieder die uns entgegengebrachte herzliche Gastfreundschaft. Das zeigte sich unter anderem bei der Fürsorge unserer Gastfamilien und bei einem Treffen mit den polnischen Lehrern.“

Während des Besuches wurde vereinbart, sich für ein weiteres gemeinsames Comenius-Projekt der EU auf der Kunststrecke zu bewerben. Darin sollen Gymnasien aus dem Kaiserwinkel in Österreich und aus der Nähe von Turin einbezogen werden. „Die Details werden noch durch die Fachlehrer geklärt“, informiert Treuger. Die Kontakte mit dem polnischen Gymnasium wurden im Jahr 2000 durch eine Frohburgerin angebahnt, die in Cieszkow geboren wurde. Die Groitzscher sagten sofort zu, zumal einige Einwohner aus Groitzsch und der Umgebung aus Nordschlesien stammen. Ziel der Kooperation ist die Sprachförderung. Treuger: „Außerdem geht es um das bessere Kennenlernen beider Länder.“

Ein Höhepunkt der bisherigen Zusammenarbeit war der gemeinsame Kalender für 2008 mit Zeichnungen von Schülern der Einrichtungen aus Cieskow, Groitzsch und vom Collége „Mathias Grunewald“ aus Guebwiller in Frankreich mit Texten in drei Sprachen. Dessen Herstellung wurde mit EU-Mitteln für Länder übergreifende Zusammenarbeit gefördert. Polnische Schüler und Lehrer besuchten bereits fünfmal Groitzsch. Im Gegenzug waren fünfmal Schüler und Lehrer aus der Schusterstadt im Nachbarland. „Im Herbst 2010 ist erneut Groitzsch Gastgeber“, so Treuger.

Von Gerd Barthel

LVZ vom 25.02.2009
Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 18:38 Uhr durch