Sympathieträger Piratenpartei

Simulierte Landtagswahl am Groitzscher Wiprechtgymnasium und in der Mittelschule Regis-Breitingen



von kathrin Haase und markus tiedke

Groitzsch/Regis-Breitingen. Mit echten Wahlkabinen, Urnen und original Stimmzetteln simulierten 80 Schulen im Freistaat Sachsen ihre eigenen Landtagswahlen – darunter das Groitzscher Wiprechtgymnasium und die Mittelschule in Regis-Breitingen. Während in der Schusterstadt die Piratenpartei klar das Rennen machte, fühlen sich die Jugendlichen in Regis eher von der CDU vertreten. Initiator des Projektes „Schülerwahl 2009“ war die Sächsische Bildungsagentur, die damit das Interesse und Wissen der Jugendlichen zum Thema Wahlen stärken will.

Mehrfach analysierten die Regiser Zehntklässler sowie die neunten bis zwölften Klassen am Groitzscher Wiprechtgymnasium im Gemeinschaftskundeunterricht Wahlplakate und werteten die Programme verschiedener Parteien aus. Am Freitag vergangener Woche war es soweit – Wahltag an den Schulen. „Ausgestattet mit einer Wahlbenachrichtigung und dem Personalausweis war es den Jugendlichen möglich, Original-Stimmzettel mit der Sonderkennzeichnung ,Schülerwahl‘ in der Wahlkabine auszufüllen und anschließend in die Wahlurne einzuwerfen“, berichtete Tanja Fritzsche, die in Regis Gemeinschaftskunde gibt. Die Wahl wurde geheim abgehalten. Bis zur Auszählung der Stimmen durch den aus Lehrern und Schülern gebildeten Wahlausschuss sei die verschlossene Wahlurne dann im Tresor der Schule verblieben.

„Das Ergebnis ist fast identisch mit dem Landesschnitt“, erklärte Schulleiter Ewald Braun. Große Auffälligkeiten seien nicht festzustellen. Bei Erst- und Zweitstimmen habe jeweils die CDU mit etwa einem Drittel der Stimmen die Nase vorn gehabt, gefolgt von Linken und Freien Demokraten. Die Sozialdemokraten und Grünen folgten auf den Plätzen. Der Direktkandidat der NPD sei leer ausgegangen. Allerdings hätten zwei Schüler ihre Zweitstimme den Rechtsextremen gegeben. Insgesamt seien 22 Zehntklässler wahlberechtigt gewesen, von denen 21 ihre Stimme abgaben. Dies katapultierte die Wahlbeteiligung auf traumhafte 95,5 Prozent.

Ungewöhnliche Ergebnisse förderte die simulierte Wahl dagegen im Wiprechtgymnasium zutage. Deutlicher Sympathieträger war hier mit 25,5 Prozent die Piratenpartei, erst dann folgen CDU (23,6 Prozent), FDP (11,8) und SPD (10,6). Die Tierschutzpartei bringt es immerhin noch auf 7,5 Prozent. Benjamin Kaminski, Lehrer und Strippenzieher für das Schülerwahlprojekt am Wiprechtgymnasium, sieht dafür unterschiedliche Gründe. Bei der Piratenpartei handle es sich um eine Neugründung, die vor allem auf Jungwähler ziele. Entsprechend stehen auch die Themen des digitalen Zeitalters im Vordergrund: Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, Ablehnung von Zensur im Internet. Er betont jedoch, dass die Ergebnisse wegen der geringen Anzahl der Teilnehmer nicht repräsentativ für die Schule sei.

Bei den Direktstimmen entpuppte sich die Ex-Landrätin Petra Köpping (SPD) – mehrfach Gesprächsgast in der Schule – als Stimmenfang (42). Danach trudeln CDU und FDP (38) auf gleicher Höhe ein.

188 Schüler waren in Groitzsch wahlberechtigt, 163 machten tatsächlich ihre Kreuze auf den Wahlzetteln. Damit lag die Beteiligung bei 87 Prozent.

http://www.lvz.de vom 04.09.2009

Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 18:39 Uhr durch