Langen Schultag auflockern

Wiprecht-Gymnasium: Ganztagsangebote werden schrittweise in den Unterricht integriert

Groitzsch. Rund 30 Arbeitsgemeinschaften stehen im Groitzscher Wiprecht-Gymnasium auf der Liste der Ganztagsangebote. Das kommt an, denn über die Hälfte der Schüler nutzt das. Um den langen Schultag aufzulockern, werden einige der Angebote nun schrittweise in den Unterricht integriert. Der Einstieg erfolgte mit Kursen zur Förderung von guten Schülern und solchen mit Lerndefiziten. Das wird ergänzt durch Zusatzstunden für bestimmte Bereiche wie soziales Lernen und Hausaufgabenbetreuung.
 


„Uns geht es um eine neue Qualität der Ganztagsangebote“, sagte Schulleiter Stefan Treuger. Während diese bisher vorwiegend Unterrichts ergänzenden Charakter tragen, wird nun auf die sogenannte Rhythmisierung des Schulalltags orientiert. Dahinter verbirgt sich ein Auflockern des Unterrichts und schließt vormittags auch Blockunterricht in Form einer Doppelstunde für die 5. Klassen ein, um die Mittagspause deutlich zu verlängern. Das zeitliche Plus soll zum Essen in der Schulmensa und zur Erholung genutzt werden.

Einmal wöchentlich werden zugleich für jeweils eine Stunde Klassen übergreifende Kurse für die Sechs- und Siebtklässler angeboten. „Dabei erfolgt eine Spitzenförderung in Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik sowie Kunst/Musik“, so André Proskawetz. Der Ethik- und Sportlehrer koordiniert die Ganztagsangebote. „Zugleich erhalten Schüler mit Lerndefiziten in diesen Fächern – bis auf Kunst/Musik – eine zusätzliche Förderstunde.“

Möglich ist das, weil das sächsische Kultusministerium in diesem Schuljahr insgesamt 45 000 Euro für Ganztagsangebote am Gymnasium zur Verfügung stellt. Ein Teil davon wird für das Stundenhonorar von Lehrern verwandt, die solche Angebote zusätzlich offerieren.

Die vier 5. Klassen können deshalb zugleich wöchentlich eine Zusatzstunde nutzen. Das reicht im Wechsel vom Beschäftigen mit Unterrichtsmethoden unter dem Motto „Lernen, lernen“ bis hin zu sozialem Lernen, gesunde Ernährung und Hausaufgabenbetreuung.

Wenn die jetzigen Siebtklässler in die 8. Klasse wechseln, werden die Kurse fortgesetzt. Sie sollen sogar nach und nach auf alle Klassen und weitere Fächer ausgedehnt werden, wofür mit dem geplanten Schulanbau auch die entsprechenden räumlichen Voraussetzungen vorhanden sind.

Demnächst sollen die Eltern zugleich befragt werden, ob der Bedarf für ein komplettes Ganztagsangebot für eine 5. Klasse besteht – in der Zeit von 7.45 bis 15.30 Uhr. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen wird den Schülern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geboten. Andererseits hätten sie die Hausaufgaben schon erledigt, wenn sie nach Hause kommen. „Dieses Angebot ist allerdings nur möglich, wenn die Gesamtlehrer- und Schulkonferenz sowie die Bildungsagentur in Leipzig zustimmen würden“, so Treuger. „Das wäre schließlich schon ein erster Schritt zu einer Ganztagsschule.“

Nicht nur die Schüler sind von der Integration erster Ganztagsangebote in die Unterrichtszeit angetan, sondern auch deren Eltern. Das belegt eine Fragebogenaktion. Treuger: „Über 90 Prozent der Eltern beurteilen das neue Konzept positiv. Ebenso die Angebote am Nachmittag.“ Dafür gibt es immerhin beachtliche rund 30 Arbeitsgemeinschaften, die von etwa 280 Schülern genutzt werden. Das sind über 50 Prozent der Gymnasiasten. Die Palette dieser Arbeitsgemeinschaften reicht von Theatergruppen, Hausaufgabenbetreuung, Mathematik, Biologie, Kunst, Geschichte, Astronomie, Chor, Line Dance, Modellbau, Fußball, Volleyball, Video/Homepage und Foto bis hin zu Debattierklub, Streitschlichter und Sanitätsausbildung.

Von Gerd Barthel / Bild: C. Busse

LVZ vom 25.02.2009
Letzte Aktualisierung: am 01.02.2013 - 18:40 Uhr durch